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Der Bausachverständige 01/2017

Wir erklären ausdrücklich, dass wir in keiner Beziehung zu den Verlagen der bezeichneten Zeitschriften stehen und auch mit den Inhalten nichts zu tun haben. Es findet keine Verlinkung zu den Angeboten der Verlage statt. In der Online-Bibliothek werden keine Texte von Dritten übernommen, sondern nur Informationen über Zeitschrifteninhalte veröffentlicht.

  • Autor: Ingo Kern

    Betrachtet man die Existenz des unbelüfteten Holzflachdaches näher, fällt als erstes seine oft mangelnde Eigenständigkeit und eine Tendenz zum Versagertum auf. Nicht selten unfähig zum Leben in freier Wildbahn, ist es in seiner gelegentlichen Unentwickeltheit ganz und gar auf
    physikalische Überlebensstrategien angewiesen. Was wird mit ihm geschehen, wenn die wärmende Sonne der Kälte des Winters weicht, wenn dereinst der Wind sich wirklich dreht? Zugegeben: Das bringt uns jetzt ein wenig auf die spekulative Ebene, aber die Verwicklungen haben Eingang gefunden in wichtige neue Regelwerke.

  • Autor: Bernhard Kopff

    Kurz vor der Fertigstellung eines Hochhauses wurde in den Trockenbauwänden bei drei von vier Wohnungen im zehnten Obergeschoss festgestellt, dass sich die Metallständer unter den Trockenbauwänden abzeichneten. Daraufhin wurde nach der Ursache gesucht. Nachdem einige Wände geöffnet wurden, wurde festgestellt, dass der Trockenbauer eine Schraube durch die Heizleitung im Bad geschraubt hatte. Das Wasser war ausgetreten und hatte sich in der zweischaligen Trockenbauwand zwischen den Bodenprofilen gesammelt und stand ca. 3 cm hoch auf einer Länge von ca. 2 - 3m. Messungen vor Ort zeigten, dass das Wasser nur ca. 1 m weit im Bereich der Türe unter den anliegenden Estrich gelaufen war. Damit lag ein sehr begrenzter
    Schadensbereich in direkter Nähe zur Wasseraustrittstelle vor. Weil das Wasser aufgestaut vorlag, musste man annehmen, dass die umfassenden Bauteile, bestehend aus Metallprofil mit
    Schaumrücken, ausreichend wasserdicht auf dem Beton auflagen. Wäre diese Konstruktion nicht ausreichend wasserdicht gewesen, wäre das Wasser nicht so hoch in der Konstruktion gestanden. Im Türbereich hatte sich Wasser ca. 1 m weit unter den Estrich ausgebreitet, weil die Abdichtung aus Bodenprofil mit Schaumrücken fehlte, sodass das Wasser hier, wie auch geschehen, in den Estrichaufbau austreten konnte.

    ...

  • Autor: Kai Rautenberg

    Im Wohnungsbau wird derzeit viel mit Baustoffen gearbeitet, die als feuchtigkeitsempfindlich einzustufen sind. Gipsdielen oder Gipskartonwände sind mittlerweile im Wohnungsbau etabliert.

  • Autor: Walter Blischke

    Über Risse lässt sich herrlich streiten, besonders dann, wenn eine maximale Rissbreite im Bauvertrag steht. Vereinbart wird ein Rechenwert [1] der Rissbreite. Je kleiner der Rechenwert der Rissbreite ist, umso größer wird die Wahrscheinlichkeit der Überschreitung.

  • Autor: Walter Dormagen

    Wir verbringen heutzutage den weitaus größten Teil unserer Zeit in Innenräumen. Daher ist es von besonderer Bedeutung, dass wir uns in diesem Bereich ein Klima schaffen, das keine Gesundheitsgefährdungen in sich birgt. Ursachen für Beeinträchtigungen der Gesundheit können Schadstoffbelastungen sein, die mit neuen Baustoffen in Form von Klebern, Farben und Lacken oder mit Bioziden ausgerüstete Materialien in Räume eingebracht werden. Bei den Schadstoffen, die aus diesen Produkten in die Raumluft abgegeben werden, handelt es sich oftmals um flüchtige organische Verbindungen in Form von Lösemitteln oder Weichmachern.

    Ein gesünderes Innenraumklima lässt sich realisieren, wenn einige grundsätzliche Dinge beachtet werden. Dazu gehört zum einen schadstoffarme Produkte für ein Bauvorhaben, eine Sanierung oder Renovierungsmaßnahmen auszuwählen und zum anderen die beteiligten Akteure vom Planer bis zum Handwerker hinsichtlich der Schadstoffe in Bauprodukten und der geeigneten Vorgehensweise zu schulen. Mit der Sensibilisierung und Qualifizierung aller beteiligten Personen rückt das Ziel, ein schadstoffarmes und damit gesünderes Gebäude zu errichten, ein großes Stück näher.

    Es lohnt sich weiter, das Thema Schadstoffe auch beim Bauen im Bestand zu betrachten. Insbesondere in älteren Gebäuden finden sich verbaute Altlastenstoffe, die heute verboten sind. In der Vergangenheit galten diese als Baustoffe mit guten technischen Eigenschaften.

  • Autor: Sabrina Otto

    An vielen Betonbauwerken wie Brücken, Parkgaragen oder auch Wohn- und Geschäftshäusern nagt der Zahn der Zeit, sodass Bauteile nachträglich verstärkt werden müssen. Dabei greifen Tragwerksplaner häufig zu zusätzlichen Stahlträgern oder Spritzbeton mit Bewehrungszulage. Dass dies nicht immer nötig und bisweilen sehr aufwendig und teuer ist, zeigt ein Vergleich jener herkömmlichen Verfahren mit der nachträglichen Ertüchtigung durch carbonfaserverstärkte Kunststoffe (CFK) am Beispiel des Parkhauses und der Brücke.

  • Autor: Axel C. Rahn

    Für uns Sachverständige sind Begriffe wie »Stand der Wissenschaft«, »Stand der Technik« und »allgemein anerkannte Regeln der Technik« klar definiert und voneinander abgegrenzt. Hierbei haben die allgemein anerkannten Regeln der Technik als sog. Auffangtatbestand die wesentliche Bedeutung. Ein Werk entspricht den allgemein anerkannten Regeln der Technik, wenn es auf bewährte Art und Weise errichtet wurde und man in die Dauerhaftigkeit und Funktionstüchtigkeit erfahrungsgemäß vertrauen kann.

  • Autor: Paul Popescu

    Das Urteil des BGH vom 31.3.2015 (Az.: III ZR 70/15) gibt erneut Anlass zur Klärung der Haftungsverantwortlichkeit für Fehler der staatlich anerkannten Sachverständigen sowie Prüfer.

  • Autor: OLG Stuttgart, Beschluss vom 14.6.2016 - 10 W 23/16

    Stellt ein Bausachverständiger im Rahmen seiner Begutachtungstätigkeit einen - möglicherweise nicht vom Beweisthema umfassten - Fehler fest, welcher mit einer aktuellen Gefahr für Leib oder Leben von Personen verbunden ist oder kann der Fehler zu einem nicht unerheblichen Vermögensschaden führen, so ist er nach den Grundsätzen der Geschäftsführung ohne Auftrag zur Gefahrenabwehr berechtigt, die betroffene Partei des Rechtsstreits hiervon in Kenntnis zu setzen. Mit einem solchen Hinweis zur Gefahrenabwehr setzt sich der Sachverständige nicht dem Vorwurf der Befangenheit aus.

  • Autor: Markus Rehmet

    Der Beitrag schließt an den Artikel von Kern im bautechnischen Teil dieses Heftes (S. 9 ff.) an und betrachtet die damit zusammenhängenden rechtlichen Aspekte.

  • Autor: Melita Tuschinski

    Der Beitrag stellt Prinzip und Vorgeschichte der neuen Methode »EnEV-easy« vor und berichtet über die praktische Anwendung für Sachverständige.

  • Autor: Johannes Jochem

    Zahlungsansprüche von auftragnehmenden Architekten und Ingenieuren bestehen typischerweise aus Honorarforderungen, die zu Beginn »bei Vertragsunterzeichnung« mehr oder weniger konkret festgelegt sind. Häufig findet sich eine exemplarische Honorarberechnung als Verhandlungsgrundlage oder als Vertragsanlage. Nach den Vorstellungen der Vertragsbeteiligten
    und insbesondere der zur Zahlung verpflichteten Auftraggeber soll es hierbei im besten Fall bleiben und das Projekt insgesamt reibungslos und zügig durchgezogen werden. Dies gelingt aus
    vielerlei Gründen selten. Daher können Zahlungsansprüche neben den bei Vertragsunterzeichnung im Fokus stehenden aus zusätzlichen Honoraransprüchen für Änderungen bestehen, für die Honorarnachträge gefunden werden müssen. Ferner können Zahlungsansprüche auch aus sogenannten Entschädigungszahlungen bestehen. Entschädigungszahlungen sind vor allem als Rechtsfolge nach freier Kündigung des Bauherrn (ohne wichtigen Grund) bekannt und in diesem Bereich in der Praxis mehr oder weniger gut handhabbar. Nicht so einfach ist die Ergebnisfindung zu Entschädigungsansprüchen wegen fehlender Mitwirkungshandlungen des Bestellers oder Verzögerungen, die hiermit zusammenhängen.

  • Autor: OLG Stuttgart, Urteil vom 21.11.2016 - 10 U 71/16

    1. Ein Auftragnehmer ist auch dann von der Mängelhaftung befreit, wenn er ordnungsgemäß gemäß § 4 Abs. 3 VOB/B Bedenken mitteilt, aber der Auftraggeber untätig bleibt und darauf nicht reagiert.

    2. Betrifft der ordnungsgemäße Bedenkenhinweis des ausführenden Bauunternehmers einen Planungsmangel, besteht kein Gesamtschuldverhältnis zwischen dem Planer und dem ausführenden Bauunternehmer. Es liegt auch kein Fall der gestörten Gesamtschuld vor.

  • Autor: BGH, Beschluss vom 21.9.2016 - VII ZR 84/15

    1. Eine Anlagenleistung von 206,58 kWp statt der vereinbarten 206,64 kWp stellt mit 0,03% Abweichung keinen Fehler dar, wegen dessen der Auftraggeber Beseitigung verlangen kann.

    2. Nach der Abnahme des Bauwerks trägt der Auftraggeber die Darlegungs- und Beweislast für die Fehlerhaftigkeit der Leistung des Auftragnehmers.

    3. Bestreitet der Auftragnehmer qualifiziert, dass ein Installationsfehler vorlag und behauptet er, an der Muffe sei nachträglich manipuliert worden, obliegt es dem Auftraggeber, näher darzulegen, warum von einem Installationsfehler auszugehen ist und sich zum Vorwurf der Manipulation zu erklären.

    ...

  • Autor: OLG Zweibrücken, Urteil vom 29.9.2016 - 6 U 6/15

    1. Eine Kündigung wegen Verzugs des Auftragnehmers (hier: mit der Verpflichtung zur Vorlage fortgeschriebener Terminpläne) setzt eine erfolglose Fristsetzung mit Kündigungsandrohung voraus.

    2. Aus Fristsetzung und Kündigungsandrohung muss klar hervorgehen, was der Auftraggeber vom Auftragnehmer erwartet. Beide Erklärungen müssen miteinander verbunden sein.

    3. Die Fristsetzung kann ausnahmsweise entfallen, etwa wenn der Vertragspartner die jeweilige Leistung ernsthaft und endgültig verweigert hat, oder wenn besondere Umstände vorliegen, die eine sofortige Kündigung rechtfertigen (hier verneint).

    ...

  • Autor: OLG Zweibrücken, Urteil vom 29.9.2016 - 6 U 6/15

    Das Stellen von Nachträgen ist kein Grund für eine Kündigung des Bauvertrags aus wichtigem Grund. Etwas anderes kann gelten, wenn der Auftragnehmer die Fortsetzung seiner Leistung in unverhandelbare Abhängigkeit von der Beauftragung der Nachträge gestellt hat.

  • Autor: BGH, Beschluss vom 29.6.2016 - VII ZR 240/14

    1. Die Annahme, dass ein Architekt umfangreiche Leistungen (hier: der Leistungsphasen 1 bis 4 gemäß § 33 Abs. 3 HOAI 2009) kostenlos erbringen möchte, ist für sich genommen bereits lebensfremd.

    2. Der Umstand, dass ein Architekt umfassende Planungsleistungen erbracht hat, die Grundlage für die Beantragung einer Baugenehmigung und eines Investitionskostenzuschusses waren, spricht für einen (konkludenten) Vertragsschluss.

  • Autor: BGH, Beschluss vom 10.8.2016 - VII ZR 164/16

    1. Die Gründungsberatung ist eine werkvertragliche Leistung. Der geschuldete Erfolg besteht in der Abgabe einer mangelfreien Gründungsempfehlung.

    2. Der Architekt muss für Leistungen eines Sonderfachmannes nicht einstehen, sofern die spezifische Fragestellung nicht zu seinem Wissensbereich gehört. Er haftet jedoch neben dem
    Sonderfachmann, wenn der Fehler in dem Gutachten des Sonderfachmanns für ihn nach den von einem Architekten zu erwartenden Kenntnissen erkennbar war.

  • Autor: BGH, Beschluss vom 8.9.2016 - VII ZR 28/14

    1. Bei der Einholung eines Sachverständigengutachtens über die Wirtschaftlichkeit der Leistungserbringung ist zu berücksichtigen, dass einem Architekten bei der Organisation seines Betriebs und der Durchführung des konkreten Vertrags ein Spielraum zuzubilligen ist. Dementsprechend ist nicht jeder Aufwand, den er über die für erforderlich erachteten Arbeitsstunden hinaus betreibt, pflichtwidrig unwirtschaftlich.

    2. Wie groß der Spielraum des Unternehmers bei der Erbringung von Stundenlohnarbeiten ist, ist unter Hinzuziehung des Sachverständigen eine im Einzelfall zu beantwortende Tatfrage. Dieser Spielraum kann durchaus mit 20 % angenommen werden.

  • Autor: BGH, Beschluss vom 15.6.2016 - VII ZR 10/14

    1. Ein Architekt muss den Bauherrn über den zur Sanierung erforderlichen Gesamtaufwand aufklären.

    2. Übersteigen die Baukosten die Finanzierungsmöglichkeiten des Bauherrn und kann das bereits begonnene Bauvorhaben deshalb nicht fertiggestellt werden, ist die gesamte bisherige Leistung des Architekten wertlos. Der Bauherr kann die gezahlte Vergütung einschließlich angefallener Bereitstellungszinsen zurückverlangen.