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Der Bausachverständige 04/2016

Wir erklären ausdrücklich, dass wir in keiner Beziehung zu den Verlagen der bezeichneten Zeitschriften stehen und auch mit den Inhalten nichts zu tun haben. Es findet keine Verlinkung zu den Angeboten der Verlage statt. In der Online-Bibliothek werden keine Texte von Dritten übernommen, sondern nur Informationen über Zeitschrifteninhalte veröffentlicht.

  • Autor: Henrik-Horst Wetzel

    Bei Abdichtungen mit flüssig zu verarbeitenden Abdichtungsstoffen im Verbund mit Fliesen und Platten, im Weiteren als »Verbundabdichtungen« bezeichnet, wird die Dichtschicht im Bereich von Dübelbefestigungen zwangsläufig beschädigt. Die Hinweise, die das zurzeit noch gültige ZDB-Merkblatt [1 ] zur Abdichtung im Bereich von Dübelbefestigungen enthält, sind alles andere als konkret. So heißt es pauschal:

    »Zur Befestigung von Sanitäreinrichtungen sind Maßnahmen zu ergreifen, die die Verbundabdichtung nicht beschädigen bzw. die abdichtende Eigenschaft nicht beeinträchtigen.«

    Wie das dann in der Praxis aussehen soll, wird in dem Merkblatt jedoch nicht thematisiert. Auch der im Dezember 2015 vorgestellte Entwurf der neuen Norm »Abdichtung von Innenräumen« [2] bringt zum Thema »Perforation der Abdichtung durch Bohrungen« nichts Neues. So ist zwar die Rede davon, dass bei den höheren Wassereinwirkungsklassen Bohrungen »als Durchdringungen zu planen« sind. Entsprechende Planungshilfen sucht man indes auch hier vergebens.

  • Autor: Martin Schneider

    In Bereichen von WU-Bauwerken mit hohem Nutzungsanspruch, wo Einbauten und Nutzungsfreigaben erhöhte Zwänge auf den Bauablauf ausüben, sollte ein System gewählt werden, das ausreichend robust und technisch sicher ist. Konventionelle Herangehensweisen nach den Entwurfsgrundsätzen der WU-Richtlinie zeigen jedoch teilweise unbefriedigende Lösungen, weil Risse im Grunde genommen in einer Stahlbetonbauweise unvermeidlich sind. Dies entspricht nicht den Anforderungen der hochwertigen Nutzung. Ein Ansatz zur Sicherstellung einer hohen Nutzungsklasse ist die Verwendung von Frischbetonverbundfolie. Hierdurch können die Nachteile einer verzögerten Selbstheilung, verbunden mit einem Restrisiko einer unvermeidlichen späterer Nachfeuchtung vermieden werden, sowie einer einbautechnischen Unzugänglichkeit von Bauteilen mit Wasserdurchtritt, bei denen ein Injizieren nötig wird.

  • Autor: Matthias Hoffmann/Andreas Kramme/Helmuth Venzmer

    Oberflächen von energetisch sanierten Fassaden erfordern einen äußerst sensiblen Umgang mit der von außen kommenden Feuchte, die nicht nur aus Regen/Schlagregen besteht (wie viele
    Produkthersteller annehmen) sondern auch aus Tauwasser (das von ebendiesen Herstellern gar nicht ins Kalkül gezogen wird). Weil Tauwasserereignisse viel häufiger auftreten als die des Regens wird deutlich, dass Tauwasserphänomene doch ernster genommen werden müssen als bisher, denn feuchte Fassadenoberflächen bieten einen idealen Untergrund für Besiedlungen und Verschmutzungen. Die Tauwasserfilme können durch eine einfache Untersuchungsmethode des
    Abtupfens und Wagens bestimmt werden. Untersuchungen in einer für diesen Zweck entwickelten Nebelkammer (nach Hoffmann) können die Abtupf-Methode sehr gut ergänzen. Die Untersuchungen deuten darauf hin, dass Produkte in »tauwasserschwach« oder »tauwasserfreundlich« klassifiziert werden sollten. Tauwasserfreundliche Produkte sind tauwasseraufnahmebereit, weil eine hinreichend große Bereitschaft der Oberfläche besteht, Tauwasser zwischenzeitlich aufzunehmen und der Oberfläche damit zu entziehen. Die kapillare Saugfähigkeit sollte entsprechend groß sein. Tauwasserschwache Produkte zeigen ein deutlich reduziertes Saugvermögen, d.h. das ankommende Tauwasser kann nicht eindringen und verbleibt auf der Oberfläche und bietet hervorragende Bedingungen für den Start und den Verbleib von mikrobiellen Besiedlungen. Die Grenze zwischen tauwasserfreundlich und tauwasserschwach liegt bei etwa 0,4 - 0,6kg/m²h 0,5, wobei allerdings zu betonen ist, dass hier noch weitere Studien erforderlich sind, um eine endgültige Antwort zu finden. Oberhalb dieser Grenze sind nach Fluoreszenzanalysen mikrobielle Besiedlungen eher unwahrscheinlich.

  • Autor: Christian Knapp

    Algen und Schimmel an verputzten Fassaden prägen das Erscheinungsbild vieler Gebäude. Wenn chemisch-physikalische Gesetze bei der Fassadenkonstruktion beachtet werden, bleiben Putzfassaden dauerhaft frei von mikrobiologischem Bewuchs. Trotzdem verschmutzen heute viele Fassaden innerhalb kurzer Zeit. Was ist anerkannte Regel der Technik?

  • Autor: Wolfram Steinhäuser

    PVC-Designbodenbeläge gibt es bereits seit den 60er Jahren. Im deutschsprachigen Raum waren sie allerdings weniger verbreitet als beispielsweise in England. Die Akzeptanz für diese Beläge setzte in Deutschland erst ein, als Designs mit modernen und natürlichen Optiken entwickelt wurden. Heute gibt es ca. 50 bis 60 Anbieter von PVC-Designbelägen mit über 7000 Designvarianten. In Deutschland ist im Zeitraum zwischen 2007 bis 2012 der Markt von ca. 4,7 Mio. auf ca. 12 Mio. m2 angewachsen, eine sehr bemerkenswerte Entwicklung, die offenbar noch nicht zu Ende ist. Der klassische Designbelag ist ein heterogener, mehrschichtiger PVC-Belag. Der international gebräuchliche Begriff für Designbodenbeläge ist LVT (engl. Luxury vinyl tile). PVC-Designbeläge werden in erster Linie als einzelne Planken und Fliesen hergestellt. Diese Beläge werden hauptsächlich fest auf den Untergrund verklebt. Neben diesen klassischen Designbelägen zur festen Verklebung werden auch selbstklebende und selbstliegende Beläge angeboten, vorwiegend in Bau- und Heimwerkermärkten. Designbeläge hat man früher vor allem in Kaufhäusern eingesetzt. Das hat sich grundlegend geändert. Heute findet man PVC-Designbeläge im privaten wie auch im gewerblichen Bereich. Verantwortlich für die sehr positive Entwicklung ist der technische Fortschritt bei den gestalterischen Möglichkeiten seit Einführung des Digitaldrucks. Dank der innovativen Druck- und Prägetechniken wirken die Reproduktionen und Oberflächen absolut authentisch. Der Trend bei diesen Belägen geht zu stärkeren Nutzschichten, immer besseren Holz- und Steinimitaten sowie zu längeren, breiteren und individuelleren Planken und Fliesen.

  • Autor: Peter Zimmermann

    Der Beitrag wurde als Vortrag auf der 5. Fachtagung »Der Bausachverständige« 2015 gehalten und behandelt insbesondere die Grundprinzipien der Beweisführung beim Sachverständigenbeweis; hier abgedruckt ist eine gekürzte Vortragsfassung.

  • Autor: Christian Pioch

    Der Beitrag stellt das BGH-Urteil vom 7.4.2016, Az. VII ZR 56/15, dar und zeigt seine Folgen für die baurechtliche Praxis auf.

    Die Regelungen der VOB/B unterliegen als AGB im Sinne von § 305 Abs. 1 BGB der sog. Inhaltskontrolle. Sie dürfen weder gegen gesetzliche Bestimmungen verstoßen (§ 134 BGB) noch
    den Vertragspartner unangemessen benachteiligen (§ 307 BGB). In einem vor kurzem veröffentlichen Urteil vom 7.4.2016, Az. VII ZR 56/15, musste der BGH zu der Frage Stellung nehmen, ob die Regelung in § 8 Abs. 2 Nr. 1 VOB/B dieser Inhaltskontrolle standhält, wonach der Auftraggeber den Vertrag im Falle der Insolvenz seines Auftragnehmers außerordentlich aus wichtigem Grund kündigen darf. Der BGH sprach sich für die Wirksamkeit einer insolvenzbedingten Kündigung aus. Damit zog er einen begrüßenswerten Schlussstrich unter eine bis dahin kontrovers geführten Diskussion. Sogleich schafft er mehr Rechtssicherheit
    für den Auftraggeber. Er muss nun nicht mehr fürchten, dass seine insolvenzbedingte Kündigung von den Gerichten als sog. freie Kündigung nach § 8 Abs. 1 Nr. 1 VOB/B gewertet wird mit der Folge, dass er dem Auftragnehmer (bzw. dessen Insolvenzverwalter) die vereinbarte Vergütung abzüglich ersparter Aufwendungen entrichten muss.

  • Autor: Oliver Kontusch

    Erster Teil einer dreiteiligen Reihe zum Sachverständigenbeweis im Zivilprozess und zur Zusammenarbeit des Sachverständigen mit dem Gericht.

    Bauprozesse werden so gut wie immer unter Einschaltung eines Sachverständigen entschieden. Im schlechten Fall arbeiten das Gericht und der Sachverständige nebeneinander. Jeder kümmert
    sich um seine Materie. Im guten Fall kooperieren Gericht und Sachverständiger. Das verlangt freilich wechselseitige Kenntnis vom jeweils anderen Sachgebiet. Diese Darstellung soll dem
    Sachverständigen ein Gerüst liefern, wie ein Gericht die Berührungspunkte der Zusammenarbeit wahrnimmt. Sie hat den Anspruch, bei den Sachverständigen einerseits Problembewusstsein für den einen oder anderen neuralgischen Punkt in einem Rechtsstreit zu wecken. Andererseits soll um Verständnis geworben werden, weshalb das Gericht in dem einen oder anderen Fall um für den Sachverständigen schwierige Aspekte nicht umhin kommt.

  • Autor: Marcus Hirschfelder

    Darstellung der Rechtsprechung zu den Befangenheitsgründen und den daraus resultierenden Folgen für den Sachverständigen

    Die Rolle des Sachverständigen im gerichtlichen Verfahren beschäftigt immer wieder Rechtsprechung und Literatur. Häufiger Streitpunkt ist in diesem Zusammenhang die mögliche Ablehnung des Sachverständigen wegen Besorgnis der Befangenheit. Anhand einer Rechtsprechungsübersicht soll dargestellt werden, welche möglichen Befangenheitsgründe in Betracht kommen können, wann diese im Einzelfall eine Ablehnung des Sachverständigen rechtfertigen können und welche Folgen dies ggf. für den Sachverständigen haben kann.

  • Autor: BGH, Beschluss vom 28.1.2016 - VII ZR 162/13

    1. Der Vortrag des wegen Bauzeitverzögerung auf Zahlung einer Entschädigung in Anspruch genommenen Auftraggebers, dem Auftragnehmer seien zu einem bestimmten Zeitpunkt Ausführungspläne übergeben worden, sodass der Auftragnehmer in die Lage versetzt worden sei, die Leistung auszuführen, ist erheblich.

    2. Auch die Behauptung des Auftraggebers, der Auftragnehmer habe die Leistung abweichend von den Plänen ausgeführt und dadurch die Behinderungsursache selbst gesetzt, ist entscheidungserheblich.

  • Autor: BGH, Urteil vom 12.5.2016 - VII ZR 171/15

    1. Ansprüche der Erwerber wegen Mängeln an neu errichteten Häusern oder Eigentumswohnungen richten sich bei nach dem Inkrafttreten des Schuldrechtsmodernisierungsgesetzes geschlossenen Bauträgerverträgen weiterhin grundsätzlich nach Werkvertragsrecht, mag auch das
    Bauwerk bei Vertragsschluss bereits fertiggestellt sein.

    2. Die von einem Bauträger in einem Erwerbsvertrag gegenüber Nachzügler-Erwerbern gestellten Formularklauseln »Die Abnahme des Gemeinschaftseigentums ist durch das Ingenieurbüro K.... am 25.11.2002 erfolgt. Die Verjährungsfrist für Ansprüche und Rechte wegen Mängeln am Gemeinschaftseigentum läuft für den Käufer zum selben Termin ab wie für diejenigen Käufer, welche die gemeinschaftliche Abnahme durchgeführt haben« sind unwirksam.

  • Autor: BGH, Urteil vom 7.4.2016 - VII ZR 56/15

    1. Die in einen Bauvertrag einbezogenen Regelungen des § 8 Abs. 2 Nr. 1 Fall 2 i.V.m. § 8 Abs. 2 Nr. 2 VOB/B (2009) sind nicht gemäß § 134 BGB wegen Verstoßes gegen §§ 103, 119
    InsO unwirksam.

    2. Die von einem Auftraggeber in einem Bauvertrag gestellten Regelungen des § 8 Abs. 2 Nr. 1 Fall 2 i.V.m. § 8 Abs. 2 Nr. 2 VOB/B (2009) sind nicht gemäß § 307 Abs. 1, 2 BGB wegen unangemessener Benachteiligung des Auftragnehmers unwirksam.

  • Autor: BGH, Urteil vom 7.4.2016 - VII ZR 56/15

    Eine Vereinbarung, nach der die Auftragnehmerin eines Bauvertrags zur Stellung einer Vertragserfüllungsbürgschaft in Höhe von 10 % der Auftragssumme verpflichtet ist, weicht
    nicht vom gesetzlichen Leitbild des § 632a Abs. 3 Satz 1 BGB ab.

  • Autor: OLG Celle, Urteil vom 3.3.2016 - 16 U 129/15

    Verlangt der Besteller Kostenvorschuss für die Mängelbeseitigung, kommt es auf die Abnahme der
    Werkleistung nicht an.

  • Autor: BGH, Urteil vom 14.1.2016 - VII ZR 271/14

    Zur Drittschadensliquidation bei der Inanspruchnahme eines Architekten für Kosten der Sanierung von Mängeln eines Industriehallenfußbodens, die auf von dem Architekten schuldhaft verursachte Mängel des Architektenwerks zurückzuführen sind, wenn die Sanierungskosten nicht von dem Auftraggeber des Architekten und Halleneigentümer, sondern von einem mit dem Auftraggeber vertraglich verbundenen Pächter entsprechend den Regelungen des Pachtvertrags getragen worden sind.

  • Autor: OVG Bremen, Urteil vom 17.11.2015 - 2 A 320/13

    1. Der für die Eintragung in die Architektenliste erforderliche Tätigkeitsnachweis muss sich zu einem nicht völlig untergeordneten Teil auf die Planung von Bauwerken beziehen.

    2. Die Regelung, dass ein Architekt, der nach Löschung aus der Architektenliste die Tätigkeit für eine erhebliche Zeit aufgegeben hat, bei einem erneuten Eintragungsantrag das Vorliegen der Eintragungsvoraussetzungen nachweisen muss, ist verfassungsgemäß.

  • Autor: LG Chemnitz, Beschluss vom 5.10.2015 - 4 OH 36/14

    Für die Prüfung, ob der Sachverständige für die Erstellung des Gutachtens fachkundig ist, kann der Sachverständige dann keine Vergütung verlangen, wenn er selbst seine fehlende Eignung ohne Schwierigkeit erkennen kann. Dies ist dann gegeben, wenn das Gutachten Fragen betrifft, die außerhalb der öffentlichen Bestellung liegen.

  • Autor: LG Chemnitz, Urteil vom 27.1.2014 - 3 0 1359/08

    1. Die Entschädigung des gerichtlich bestellten Sachverständigen ist nach der erforderlichen Zeit zu bemessen, die nach objektiven Maßstäben zu bestimmen ist.

    2. Für die Bemessung der Zeit sind weder die Angaben des Sachverständigen noch die tatsächliche aufgewendete Zeit schlechthin maßgeblich.

    3. Bei Infragestellung der Angaben des Sachverständigen muss der Beschwerdeführer allerdings hierzu dezidiert ausführen, warum der angesetzte Zeitaufwand im Verhältnis zur erbrachten Leistung ungewöhnlich hoch erscheint.